Um Reflux und Sodbrennen erfolgreich zu lindern oder zu heilen, ist es notwendig, die Ursachen der Krankheit zu behandeln. Nur so kann ein langfristiger und nachhaltiger Heilungsprozess erreicht werden. Dies erfordert den Verzicht der Einnahme schädlicher Säureblocker, die Umstellung von Essgewohnheiten sowie die unterstützende Einnahme von Naturheilmitteln. Da Refluxbeschwerden besonders häufig nachts auftreten wird zudem die Verwendung eines Refluxkissens empfohlen.

12 Tipps gegen Reflux und Sodbrennen

Die folgenden Tipps können dabei helfen, Reflux und Sodbrennen zu heilen. Beides sind Krankheitsbilder, die meistens in Verbindung mit einem Mangel an Magensäure auftreten – ein Zusammenhang, der jahrzehntelang von der Pharmaindustrie verschwiegen wurde. Die aufgeführten Ratschläge sollen dabei helfen, Essgewohnheiten zu ändern, damit das Verdauungssystem weniger stark beansprucht wird, Nährstoffe effektiver aufgenommen werden können und der Körper ausreichend Magensäure produzieren kann.

1. Bitterstoffe vor den Mahlzeiten

Bitterstoffe sind für eine gesunde Verdauung von enormer Bedeutung, jedoch leider in der Ernährung der meisten Menschen heutzutage kaum noch enthalten. Bei Beschwerden wie Reflux, Sodbrennen oder Völlegefühl schafft die Einnahme von Bittertropfen vor oder nach den Mahlzeiten meist deutliche Linderung. Entscheidend ist der Geschmack, denn die Stimulation der Geschmacksnerven mit Bitterstoffen regt nicht nur die Magensäureproduktion, sondern auch die Sekretion von Verdauungsenzymen an und aktiviert andere Organe wie die Bauchspeicheldrüse und die Gallenblase. Nehmen Sie Bittertropfen am besten 10-15 Minuten vor dem Essen unverdünnt oder mit etwas Wasser ein und behalten Sie die Tropfen so lange wie möglich im Mund, um den größtmöglichen Effekt zu erzielen.

2. Ausreichende Pausen zwischen den Mahlzeiten

Die Einhaltung ausreichender Pausen zwischen den Mahlzeiten ist besonders für Personen, die unter einem Magensäuremangel leiden, von enormer Bedeutung. Sobald wir Nahrung zu uns nehmen, steigt der pH-Wert des Magens an. Erst wenn die Nahrung den Magen vollständig passiert hat, kann der pH-Wert des Magens wieder saurer werden, um sich auf die nächste Mahlzeit vorzubereiten. Da dies bei Menschen, die nicht genügend Magensäure produzieren, länger dauern kann als gewöhnlich, ist es für diese Personen besonders wichtig, dem Magen genügend Zeit zu geben, um die Mahlzeit vollständig zu verarbeiten. Eine Pause von 5 Stunden ist in den meisten Fällen ausreichend, doch insbesondere nach schweren Mahlzeiten kann eine längere Pause nötig sein. Hören Sie daher auf Ihren Körper und vermeiden Sie Zwischenmahlzeiten; so geben Sie Ihrem Magen und dem gesamten Verdauungssystem die Chance, sich zu erholen und auf sich auf die nächste Mahlzeit vorzubereiten.

3. Verzehr von Kohlenhydraten reduzieren

Eine erfolgreiche Behandlung von Reflux und Sodbrennen erfordert für die meisten Menschen eine deutliche Reduzierung des Verzehrs von Kohlenhydraten. Kohlenhydrate hemmen die Magensäureproduktion, fördern die Vermehrung von Bakterien im Verdauungssystem und tragen so maßgeblich zur Entstehung von Reflux bei. Insbesondere auf Zucker und Weißmehlprodukte sollte verzichtet werden.

4. Ingwer nach den Mahlzeiten

Ingwer ist eines der besten Mittel, um die Verdauung anzuregen. Wie auch Pfefferminze, Anis, Kardamom und Koriander zählt Ingwer zu einer Gruppe von Pflanzen, die karminativ wirksam sind. Dies bedeutet, dass sie zur besseren Durchblutung der Darmschleimhaut sowie zur Verminderung der Bildung von Gärungsgasen führen. Den größtmöglichen Effekt erreichen Sie, indem Sie nach dem Essen ein Stück rohen Ingwer kauen. Zur besseren Bekömmlichkeit können Sie diesen auch kleingeschnitten mit etwas Salz und Zitrone vermischt zu sich nehmen.

5. Ausreichende Flüssigkeitsaufnahme

Eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme außerhalb der Essenszeiten ist für eine gesunde Verdauung unerlässlich. Ist der Körper gut hydriert, werden Darmbewegungen angeregt und der Mageninhalt gelangt schneller durch das Verdauungssystem. Dies verringert die mikrobielle Fermentation und reduziert Giftstoffe im Körper. Ernährungsexperten raten, über den Tag verteilt 30ml Wasser pro Kilogramm Körpergewicht zu trinken.

6. Zur Essenszeit wenig trinken

Wasser und andere Getränke führen im Magen zu einem kurzfristigen Anstieg des pH-Werts. Man sollte daher mindestens 30 Minuten vor jeder Mahlzeit und während des Essens möglichst nichts trinken. So wird einer Verdünnung der Magensäure vorgebeugt. Insbesondere kaltes Wasser hemmt die Produktion von Magensäure und verlangsamt die Verdauung. Wenn Sie auf ein Getränk zum Essen nicht verzichten möchten, sollten Sie daher auf warmen Tee zurückgreifen. Auch nach jeder Mahlzeit sollten Sie mindestens 30 Minuten auf Getränke verzichten, damit die Verdauung bestmöglich ablaufen kann.

7. Entspannung während der Mahlzeiten

Damit der Körper ausreichend Magensäure produziert und die Verdauung gefördert wird, muss der Parasympathikus, eine Komponente des vegetativen Nervensystems, aktiv werden. In Stresssituationen ist jedoch das Gegenteil der Fall, denn hier versetzt der Sympathikus den Körper in einen Zustand hoher Leistungsbereitschaft, um ihn auf außergewöhnliche Anstrengungen vorzubereiten. Gleichzeitig wird die Tätigkeit der Verdauungsorgane gehemmt, was dazu führt, dass nicht ausreichend Magensäure abgesondert wird. Es ist daher wichtig, mindestens 30 Minuten vor und ein bis zwei Stunden nach einer Mahlzeit zu entspannen. Ist dies nicht möglich, sollte man wenigstens ein paar tiefe Atemzüge vor dem Essen nehmen und versuchen, soweit wie möglich zur Ruhe zu kommen. In stressigen Zeiten ist es außerdem hilfreich, flüssige und rohe Lebensmittel wie Smoothies, Shakes oder leichte Salate zu konsumieren, da der Köper weniger Magensäure benötigt, um diese zu verdauen.

8. Vollwertige, naturbelassene Lebensmittel

Eine ausreichende Zufuhr von Nährstoffen ist für ein gesundes Verdauungssystem unerlässlich. Frisches Gemüse und Obst, Vollwertkost und Bio-Lebensmittel sollten auf dem Speiseplan an erster Stelle stehen. Verarbeitete Lebensmittel, Fastfood, Zusatzstoffe, Farbstoffe und künstliche Aromen hingegen sollten vermieden werden, da sie keine oder wenig Nährstoffe enthalten.

9. Lebensmittel richtig kombinieren

Durch die richtige Kombination verschiedener Lebensmittel und die Reihenfolge des Verzehrs kann das Verdauungssystem deutlich entlastet werden. Die Verdauung von rohem Obst und Gemüse erfolgt verhältnismäßig schnell und benötigt weniger Magensäure, weshalb Salate besonders gut als Vorspeisen geeignet sind. Bittere Salatsorten, wie Radicchio, Rucola oder Chicorée, sind besonders geeignet, da die Bitterstoffe die Verdauung zusätzlich anregen. Proteine regen die Magensäureproduktion ebenfalls an, brauchen jedoch auch sehr lange, um verdaut zu werden. Eine kleine Menge leicht verdaulicher Proteine (z. B. Ei, Joghurt etc.) zu Beginn einer Mahlzeit kann daher den Magen in Schwung bringen; schwer verdauliche Proteine wie Fleisch sollten jedoch am Ende der Mahlzeit konsumiert werden, damit sie keinen „Stau“ im Verdauungstrakt verursachen. Proteine sollten zudem nicht mit Kohlenhydraten verzehrt werden, da diese die Produktion von Magensäure verringern. Obst sollte generell nur außerhalb der Mahlzeiten oder als Vorspeise gegessen werden, da sonst die Gefahr besteht, dass die Früchte zu lange im Magen liegen und beginnen zu gären und Blähungen zu verursachen.

10. Gründlich kauen

Die Verdauung beginnt bereits im Mund. Jeder Bissen sollte daher vor dem Herunterschlucken 20-30 Mal gekaut werden, um die Verdauungsenzyme im Mund anzuregen und die Nahrung in möglichst kleine, leicht verdauliche Teile zu zerlegen. Je kleiner das Essen bereits im Magen ankommt, desto weniger Arbeit hat dieser mit der weiteren Verdauung. Gründliches Kauen regt außerdem die Magensäureproduktion an und führt dazu, dass bis zum Eintreten des Sättigungsgefühls (das sich nach ca. 20 Minuten einstellt) weniger Nahrung verzehrt wurde.

11. Zink-Einnahme erhöhen

Zink ist für die Produktion von Magensäure wesentlich. Durch Vollwertkost kann die Aufnahme von Zink gesteigert werden. Die meisten Nahrungsmittel, die einen hohen Zinkgehalt aufweisen, sind tierischen Ursprungs, wie z. B. Rindfleisch, Lammfleisch, Krabbenfleisch, Truthahn, Hühnchen, Hummer, Muscheln und Lachs. Unter den pflanzlichen Lebensmitteln haben Kürbiskerne die höchste Zinkkonzentration. Auch Bohnen, Vollkorn-Getreide, Naturreis, Vollkornweizenbrot und Kartoffeln sind nützliche Zinkquellen. Bei akutem Zinkmangel kann auch die Einnahme eines Zinkpräparats hilfreich sein.

12. Kein Essen vor dem Schlafengehen

Die letzte Mahlzeit des Tages sollte drei bis vier Stunden vor dem Schlafengehen eingenommen werden. Wer mit vollem Magen ins Bett geht, leidet mit größerer Wahrscheinlich unter Reflux, da dieser durch die waagerechte Position begünstigt wird. Falls man sich doch nach dem Essen hinlegen muss, sollte man Kopf und Oberkörper mit Kissen unterstützen und eine waagerechte Position vermeiden.

Bitterstoffe für eine gesunde Verdauung

Jede Nahrung, die wir zu uns nehmen, muss unweigerlich an unserer Zunge vorbei. Mit ihren unzähligen Geschmacksknospen ermöglicht sie es, verschiedene Geschmäcker wahrzunehmen; fünf gelten derzeit als wissenschaftlich anerkannt: süß, salzig, sauer, umami und bitter. Jede dieser Geschmacksrichtungen wirkt sich unterschiedlich auf unsere Verdauung und unsere Gesundheit aus. Nicht nur in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) ist man davon überzeugt, dass eine ausgewogene Ernährung möglichst alle dieser Geschmacksrichtungen beinhalten sollte.

Heutzutage ist unsere Ernährung hingegen von einem Überangebot an süßen und salzigen Geschmäckern bestimmt. Industrielle Landwirtschaft und die Lebensmittelindustrie haben den Geschmackssinn des modernen Menschen verändert, sodass die meisten Menschen nur noch süße, salzige, saure und nach umami schmeckende Lebensmittel mögen. Ein Großteil der Bevölkerung nimmt heute kaum noch bittere Nahrungsmittel zu sich – eine Entwicklung die höchstwahrscheinlich ihren Anteil an vielen weit verbreiteten Gesundheitsbeschwerden hat.

In der frühen Entwicklung der Menschheit bestand die Ernährung zu großen Teilen aus wild wachsenden Pflanzen, Wurzeln und Früchten, die wie die meisten natürlich wachsenden Nahrungsmittel einen beträchtlichen Anteil an Bitterstoffen enthalten.

Der moderne Verbraucher hingegen ist in der Regel nur wenig angetan von bitter schmeckenden Lebensmitteln, was zunehmend dazu führte, dass diese von der Lebensmittelindustrie gemieden wurden. Zahlreiche Gemüsesorten, die ursprünglich viele Bitterstoffe enthielten, wurden bitterstoffarm gezüchtet.

Die übermäßige Präsenz von süßen Geschmacksstoffen und der damit verbundene Zuckerkonsum sind ebenso bekannt wie die damit verbundenen gesundheitlichen Probleme. Inzwischen vermuten viele Ernährungsexperten jedoch, dass die Abwesenheit von Bitterstoffen in unserer Ernährung ebenso problematisch ist. Jahrtausende von bitterstoffreicher Ernährung haben dazu geführt, dass unsere Körper – und vor allem unser Verdauungssystem – auf bittere Nahrungsmittel angewiesen sind. Bitterstoffe wirken bereits in dem Moment, in dem sie mit der Zunge in Berührung kommen, denn der Geschmack signalisiert dem Verdauungstrakt: „Aufwachen, Essen im Anmarsch“. Magen, Leber, Bauchspeicheldrüse und Gallenblase beginnen daraufhin mit der Sekretion von Verdauungssäften und Enzymen.

Für Reflux-Patienten, die häufig an einem Magensäuremangel leiden, führt die Einnahme von Bitterstoffen daher häufig zu einer deutlichen Besserung der Symptome.

Einnahme von Bittertropfen vor dem Essen

Um die Verdauung anzuregen und Sodbrennen oder Reflux vorzubeugen, empfiehlt sich die Einnahme von Bittertropfen 10-15 Minuten vor dem Essen. Die Tropfen wirken am besten unverdünnt und sollten so lange wie möglich im Mund behalten werden, denn worauf es hauptsächlich ankommt, ist der Geschmack. Die Stimulation der Geschmacksnerven mit Bitterstoffen aktiviert die Produktion von Magensäure und Verdauungsenzymen und regt andere Organe wie die Bauchspeicheldrüse und die Gallenblase an. Da manche Menschen gar nicht mehr an bittere Stoffe gewöhnt sind, kann die unverdünnte Einnahme unter Umständen anfangs nicht toleriert werden. In diesem Fall können die Tropfen zu Beginn der Therapie mit etwas Wasser verdünnt werden. Bei regelmäßiger Einnahme wird sich der Körper langsam an den bitteren Geschmack gewöhnen, sodass die Tropfen zunehmend weniger verdünnt eingenommen werden können, um ihre volle Wirkung zu entfalten.

Einnahme von Bitterstoffen nach dem Essen

Bei akuten Beschwerden nach dem Essen, wie Sodbrennen, Reflux oder Völlegefühl, kann die Einnahme von Bitterstoffen das Verdauungssystem auch noch nach dem Essen anregen und die Symptome lindern. Bittertropfen sind auch zur Einnahme nach dem Essen bestens geeignet und sollten, ebenso wie bei präventiver Einnahme, möglichst unverdünnt eingenommen und lange im Mund behalten werden, um eine intensive Stimulation der Geschmacksnerven zu ermöglichen. Ebenfalls empfehlenswert sind bitter schmeckende Verdauungstees.

Den Körper an Bitterstoffe gewöhnen

Viele Naturheilpraktiker vermuten, dass, je größer die Abneigung, die bei der Einnahme von Bitterstoffen empfunden wird, desto dringender benötigt der Körper die entsprechenden Stoffe. Da wir für gewöhnlich nur wenige Bitterstoffe zu uns nehmen, wird vielen die Einnahme zunächst nicht leicht fallen. Doch der Gewöhnungsprozess dauert in der Regel nicht lange und bald schon werden die Bemühungen durch eine spürbare Verbesserung der Verdauung – und damit der allgemeinen Gesundheit – belohnt. Damit die Bitterstoffe einen spürbaren und nachhaltigen Effekt auf die Verdauung haben, sollten sie mindestens einmal, besser aber dreimal täglich vor den Mahlzeiten eingenommen werden.

Bitterstoffe zügeln den Appetit auf Süßes

Eine erfolgreiche Behandlung von Reflux und häufig auftretenden Begleiterscheinungen wie Candida und Leaky-Gut erfordert für viele eine drastische Reduzierung ihres Zuckerkonsums. Häufig scheitern die Betroffenen daran, das Verlangen nach Süßem in den Griff zu bekommen. Auch hier können Bitterstoffe Abhilfe schaffen, denn wer regelmäßig bittere Nahrungsmittel konsumiert, verspürt weniger Hunger auf Süßes. Einen Erklärungsversuch liefert die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM), in der süß und bitter als gegensätzliche Geschmacksrichtungen angesehen werden, die im Gleichgewicht zueinander konsumiert werden sollten. Der häufige Konsum von zuckerhaltigen oder süßen Lebensmitteln bringt den Körper aus dem Gleichgewicht und führt damit zu immer mehr Heißhunger auf Süßes. Bringt man den Körper hingegen durch den Konsum von Bitterstoffen wieder ins Gleichgewicht, nimmt auch das Verlangen nach süßen Lebensmitteln wieder ab.

Warum Magensäureblocker gefährlich sind

Magensäureblocker – insbesondere Protonenpumpenhemmer wie Omeprazol, Pantoprazol, Lansoprazol, Rabeprazol und Esomeprazol – gehören zu den weltweit am meisten verschriebenen Medikamenten. Patienten mit Verdauungsbeschwerden, Sodbrennen, Reflux-Krankheit oder Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren wird oftmals eine langfristige Einnahme empfohlen. Da die Symptome, unter denen die Patienten leiden, jedoch in den meisten Fällen durch einen Mangel an Magensäure verursacht werden, verstärken die Medikamente die zugrundeliegenden Probleme, auch wenn oft eine kurzfristige Linderung erkennbar zu sein scheint. Zudem sind Säureblocker mit einer Vielzahl an gefährlichen Nebenwirkungen verbunden und führen zu einer starken körperlichen Abhängigkeit.

Wie wirken Magensäureblocker?

Protonenpumpenhemmer (PPI) hemmen ein Enzym (Protonen-Kalium-Pumpe oder H+/K+-ATPase) in den Belegzellen der Magenschleimhaut, das durch den Transport von Protonen aus der Zelle hinaus zur Produktion von Magensäure beiträgt. PPI werden nicht im Magen, sondern erst im Dünndarm resorbiert und gelangen über das Blut in die Magenschleimhaut.

Protonenpumpen gibt es jedoch nicht nur im Magen, sondern in fast allen Zellen des menschlichen Körpers. In den Mitochondrien der Zellen transportieren diese Enzyme Protonen über die Zellmembran und erzeugen einen elektrochemischen Protonengradienten, der zur Produktion chemischer Energie in Form von ATP benötigt wird. Obwohl PPI speziell auf die Protonen-Kalium-Pumpe der Belegzellen des Magens ausgerichtet sind, wurden in wissenschaftlichen Studien vermehrt Hinweise darauf gefunden, dass sie auch andere Protonenpumpen im Körper hemmen können, sodass diese ihre wichtige Funktion nicht mehr erfüllen können.

Magensäureblocker stören das Gleichgewicht des Magens

Magensäureblocker schaden der Verdauung, da sie die Produktion von Magensäure hemmen, obwohl Beschwerden wie Sodbrennen und Reflux in den meisten Fällen auf einen Mangel – und nicht auf einen Überfluss – an Magensäure zurückzuführen sind. Der pH-Wert im Magen und Darm hat großen Einfluss auf die Verdauung und auf die Mikroorganismen, die im Magen und Darm leben und sehr empfindlich gegenüber Veränderungen ihrer Umgebung sind. Indem Protonenpumpenhemmer die Menge an Magensäure reduzieren, bewirken sie einen Anstieg des pH-Werts im Magen. Schädliche Keime, die über die Nahrung in den Körper gelangen, werden aufgrund des erhöhten pH-Werts nicht mehr abgetötet. Dies führt dazu, dass Bakterien, Pilze und andere Krankheitserreger wie Enterokokken, Streptokokken, Staphylokokken und E. coli sich ungestört ausbreiten können.

Magensäureblocker beeinträchtigen die Nährstoffaufnahme

Magensäure ist für die Aufnahme einer Reihe essentieller Nährstoffe und Spurenelemente wesentlich. Die Einnahme von Protonenpumpenhemmern erhöht daher das Risiko eines Vitamin- und Mineralstoffmangels, wie z. B. eines Mangels an Vitamin B12, Vitamin C, Kalzium, Eisen und Magnesium. Da diese Nährstoffe besonders wichtig für die Knochen sind, erhöhen PPI zudem die Anfälligkeit für Knochenbrüche, insbesondere bei älteren Menschen. Zudem befinden sich in den Osteoklasten, den Knochenzellen, die die für die Aufnahme von Kalzium zuständig sind, Protonenpumpen, deren Funktion von PPI direkt beeinträchtigt werden könnte.

Magensäureblocker erhöhen das Risiko kardiovaskulärer Probleme und schädigen die Nieren

Protonenpumpenhemmer schädigen die Nieren und das Herz-Kreislauf-System. Sie verringern die Produktion von Stickstoffmonoxid, das die Erweiterung der Blutgefäße unterstützt und so zu einer Verbesserung des Blutflusses führt. Verschiedene Studien haben ergeben, dass die Einnahme von PPI das Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden oder an einem chronischen Nierenleiden zu erkranken, erhöht.

Magensäureblocker verursachen kognitive Beeinträchtigungen

Damit Gehirnzellen miteinander kommunizieren können, benötigen sie Energie, die mithilfe von Protonenpumpen produziert wird. Werden diese Protonenpumpen von PPI gehemmt, führt dies zu kognitiven Beeinträchtigungen. Zudem erhöhen Protonenpumpenhemmer das Risiko, an Demenz zu erkranken, und beeinträchtigen das visuelle Gedächtnis, die Aufmerksamkeitsfähigkeit und die Planungsfähigkeit.

Absetzen der Magensäureblocker führt zu einem Rebound-Effekt

Obwohl die Magensäureblocker die Ursachen der Reflux-Krankheit nicht bekämpfen, sondern langfristig verschlimmern, führt ein Absetzen des Medikaments zunächst zu einer Verstärkung der Symptome.

Der menschliche Körper versucht allen Veränderungen seiner Physiologie entgegenzuwirken, um sein Gleichgewicht aufrecht zu erhalten. Wird die Produktion von Magensäure durch die Einnahme von Protonenpumpenhemmern verringert, reagiert der Körper mit der Produktion des Hormons Gastrin, das die Magensäureproduktion anregt. Eine hoher Gastrinspiegel führt zu einer Vermehrung der ECL-Zellen (enterochromaffin-ähnliche Zellen), die in der Magenschleimhaut in der Nähe der Belegzellen liegen. Eine hohe Anzahl an ECL-Zellen führt zu einem Anstieg der von ihnen ausgeschütteten Hormone, die wiederum eine Erweiterung der einzelnen Belegzellen auslösen (Hyperthrophie). Die vergrößerten Belegzellen besitzen mehr Protonenpumpen, was zu einem Anstieg der Magensäureproduktion führt.

Die langfristige Einnahme von Magensäureblockern führt also zu einer Veränderung der Physiologie der Magenzellen. Wird die Einnahme der Medikamente plötzlich eingestellt, kommt es daher zu einem Rebound-Effekt, d. h. zu einer Überproduktion von Magensäure und zu einer Verschlimmerung der Reflux-Symptome.

Glücklicherweise durchlaufen die Belegzellen einen kontinuierlichen Erneuerungsprozess. Da die Lebensdauer einer Belegzelle nur 54 Tage beträgt, haben sich die Zellen nach ein paar Monaten komplett erneuert und der Rebound-Effekt kommt zum erliegen. Da die Reparaturmechanismen nach dem Absetzen von Magensäureblockern jedoch noch nicht eingehend erforscht worden sind, können Langzeitschäden nicht ausgeschlossen werden.

Magensäureblocker absetzen

Da Magensäureblocker (insbesondere Protonenpumpenhemmer wie Omeprazol, Pantoprazol, Lansoprazol, Rabeprazol und Esomeprazol) die Ursache von Reflux und Sodbrennen (einen Mangel an Magensäure) nicht bekämpfen, sondern verschlimmern und mit vielen gefährlichen Nebenwirkungen einhergehen, entscheiden sich viele Patienten dazu, die Medikamente abzusetzen.

Wird die Einnahme von Protonenpumpenhemmern (PPI) beendet, führt dies zunächst zu einem Rebound-Effekt, d. h. es wird zu viel Magensäure produziert und die Reflux-Symptome verschlimmern sich. Da diese Phase des Rebound-Reflux, die einige Monate andauern kann, für viele Patienten unerträglich ist, greifen viele bald wieder zu den Medikamenten und scheitern daran, die körperliche Abhängigkeit zu überwinden. Der Rebound-Effekt kann in sehr unterschiedlicher Intensität und Dauer auftreten. Normalerweise sind die Beschwerden umso schlimmer, je länger die Säureblocker eingenommen wurden. Es ist daher ratsam, beim Absetzen der Medikamente sehr langsam und behutsam vorzugehen. Die folgenden Tipps können den Entzug erleichtern

Ernährung umstellen, Kohlenhydrate vermeiden

Da Reflux vor allem durch zu wenig Magensäure und eine bakterielle Überbesiedlung im Darm hervorgerufen wird, müssen Wege gefunden werden, diese zugrundeliegenden Ursachen zu bekämpfen. Statt mithilfe von Magensäureblockern nur die Symptome zu bekämpfen, muss die Magensäureproduktion langfristig angeregt und das Wachstum schädlicher Bakterien eingeschränkt werden.

Um die Einnahme von Säureblockern einstellen zu können, ist es unerlässlich, die eigenen Lebens- und Ernährungsweise zu überdenken und umzustellen. Als erstes sollte der Verzehr von Nahrungsmitteln, die Verdauungsprobleme und Sodbrennen verschlimmern, eingestellt oder stark eingeschränkt werden. Am wichtigsten ist es, den Verzehr von Kohlenhydraten zu verringern. Produziert der Magen ausreichend Magensäure und werden nicht zu viele Kohlenhydrate verzehrt, können diese gespalten und im Dünndarm absorbiert werden. Ist jedoch nicht genügend Magensäure vorhanden oder werden zu viele Kohlenhydrate konsumiert, können sie nicht vollständig verdaut werden. So kommt es zu einer Fermentierung der überschüssigen Kohlenhydrate durch die im Dünndarm lebenden Mikroorganismen.

Daher sollte auf kohlenhydratreiche Lebensmittel, wie Zucker (vor allem Schokolade und andere Süßigkeiten), Getreideprodukte (Brot, Pasta etc.) und Alkohol, weitgehend verzichtet werden. Auch Kaffee und Milchprodukte bereiten vielen Betroffenen Schwierigkeiten. Die Ernährungsumstellung sollte mindestens zwei Wochen vor dem Beginn der Reduzierung der Medikamenteneinnahme begonnen werden.

Medikamenteneinnahme langsam reduzieren

Beim Absetzten der Protonenpumpenhemmer ist es wichtig, langsam vorzugehen, nichts zu überstürzen und geduldig zu sein. Je nachdem, wie lange die Medikamente bereits eingenommen wurden, sollte die aktuelle Dosis zunächst um ca. ein Viertel oder die Hälfte reduziert werden. Mit einem Tablettenteiler kann beispielsweise eine Pille mit 20 mg so verkleinert werden, sodass sie nur noch 15 oder 10 mg enthält. Diese verringerte Dosis sollte zwei Wochen lang eingenommen werden, um dem Körper eine langsame Umgewöhnung zu ermöglichen. Alle zwei bis drei Wochen kann die Dosis weiter reduziert werden. Hierbei ist es wichtig, genau auf die eigenen Symptome zu achten, um die Medikamenteneinnahme so schnell wie möglich beenden zu können ohne eine starke Reflux-Reaktion zu provozieren.

Patienten, die eine Pille am Morgen und einen am Abend einnehmen, können entweder versuchen, eine der Pillen langsam zu reduzieren und letzten Endes vollständig auszulassen oder die Dosis an beiden Tageszeiten gleichzeitig zu verringern. Die erste Methode hat den Vorteil, dass durch das Auslassen einer der beiden Pillen die Intervalle, in denen keine Medikamente eingenommen werden, länger werden.

Während der Reduzierung der Medikamenteneinnahme ist es wichtig, den magenfreundlichen Ernährungsplan weiterhin streng zu befolgen.

Hilfestellung für die Verdauung

Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, die Verdauung auf natürliche Weise zu unterstützen und Reflux entgegenzuwirken. Die einzelnen Methoden zeigen bei verschiedenen Patienten unterschiedlich gute Wirkung, daher sollte jeder Betroffene versuchen, die für ihn besten Techniken herauszufinden.

Viele kleine, über den Tag verteilte Mahlzeiten sind leichter zu verdauen, als einige große Mahlzeiten. Die letzte Mahlzeit sollte ca. 3-4 Stunden vor dem Schlafengehen eingenommen werden.

Leicht verdauliche Lebensmittel, wie gedünstetes Gemüse, sollten bevorzugt gegessen werden. Als Beilage sind z. B. Hirse oder Kartoffeln zu empfehlen.

Getränke wie zuckerhaltige Softdrinks, Alkohol, Fruchtsäfte, Kaffee und Schwarzer Tee sollten vermieden werden. Stattdessen sind stilles Wasser, verdünnte Gemüsesäfte und Kräutertees (z. B. Kamillentee) zu empfehlen.

Tägliches Spazierengehen – insbesondere nach den Mahlzeiten – wirkt sich positiv auf den Verdauungsprozess aus.

Vielen Betroffenen hilft die Einnahme von ein bis zwei Teelöffeln Apfelessig (mit etwas Wasser verdünnt) vor den Mahlzeiten. Auch die Einnahme von Bitterstoffen in Tropfenform ist für die Verdauung förderlich, da sie die Produktion von Magensäure anregt.

Nach den Mahlzeiten kann das Kauen von Ingwer oder die Einnahme eines Ingwer-Zitronensaft-Gemischs, der lange im Mund behalten werden sollte, die Verdauung unterstützen.

Das Kauen von ungezuckertem Kaugummi regt den Speichelfluss an. Dies schützt die Speiseröhre vor Schäden, die durch Sodbrennen verursacht werden.

Wenn Sodbrennen auftritt, gibt es verschiedenen Mittel, die kurzfristig Abhilfe schaffen können. Zu diesen zählen: Heilerde, Kartoffelsaft, zu Brei zerkaute Mandeln die in kleinen Portionen geschluckt werden sowie eingeweichte Lein- oder Flohsamen.

Eine individuelle Kombination dieser Verdauungsfördernden Maßnahmen sollte zusammen mit der oben beschriebenen generellen Ernährungsumstellung das schrittweise Absetzen der Protonenpumpenhemmer begleiten. Nach Beendigung der Medikamenteneinnahme kann dem eigentlichen Problem der Reflux-Beschwerden – dem Mangel an Magensäure – entgegengewirkt werden, sodass das Verdauungssystem langfristig zu seinem natürlichen Gleichgewicht zurückfinden kann.

6 Tipps gegen nächtlichen Reflux

Nächtliche Refluxbeschwerden sind häufig und werden von vielen Menschen als besonders unangenehm empfunden. Die durch die Säure verursachten Schmerzen können beim Einschlafen stören und die Nachtruhe beeinträchtigen. Zudem kann nächtliches Sodbrennen schwerwiegende gesundheitliche Folgen nach sich ziehen, da im Liegen mehr Säure in die Speiseröhre gelangen kann und dort länger verweilt. Dies kann dazu führen, dass die Speiseröhre gereizt und geschädigt wird. Auch die Gefahr, an Speiseröhrenkrebs zu erkranken, wird durch den nächtlichen Rückfluss von Magensäure deutlich erhöht. Folgende Maßnahmen können Abhilfe schaffen:

1. Oberkörper beim Schlafen hochlagern

Um nächtliche Refluxbeschwerden wirksam zu bekämpfen, sollte man sich die Schwerkraft zunutze machen. Wenn wir stehen, sorgt die Schwerkraft meistens dafür, dass der Mageninhalt unterhalb des unteren Speiseröhrenschließmuskel verbleibt. In einer liegenden Position wird der Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre jedoch stark begünstigt. Daher sollte beim Schlafen der gesamte Oberkörper hochgelagert werden. Am effektivsten und bequemsten gelingt dies mit einem speziellen Refluxkissen wie dem noflux-Kissen.

2. Leichte Mahlzeit am Abend

Greifen Sie abends auf leichte, leicht verdauliche Lebensmittel zurück, die nicht lange im Magen liegen. Statt Pizza oder fettigen Pommes sollten am Abend eher gut verträgliche, fettarme Lebensmittel auf dem Speisplan stehen. Nicht blähende Gemüsesorten, Pellkartoffeln oder feines Vollkornbrot sind eine gute Wahl.

3. Abends keine Süßigkeiten

Versuchen Sie, besonders abends oder nachts auf Schokolade und andere zuckerhaltige Lebensmittel zu verzichten. Auch Alkohol kann nächtliches Sodbrennen begünstigen.

4. Frühes Abendessen

Zwischen dem Abendessen und dem Schlafengehen sollten mindestens drei bis vier Stunden vergehen, damit der Körper ausreichend Zeit hat, das Essen zu verdauen, bevor er in den Ruhemodus wechselt und die Verdauung verlangsamt wird.

5. Verdauung durch Bewegung fördern

Machen Sie nach dem Abendessen einen kleinen Spaziergang, um die Verdauung anzuregen und den Körper dabei zu unterstützen, den Magen zu leeren. Ein voller Magen übt Druck auf den Schließmuskel der Speiseröhre aus und begünstigt nächtlichen Reflux.

6. Auf der linken Seite schlafen

Versuchen Sie – wenn möglich – auf der linken Seite zu schlafen, denn dann liegt der Magen, der sich in der linken Körperhälfte befindet, niedriger als die Speiseröhre. So kann die Säure nicht so leicht zurückfließen. Besonders effektiv ist diese Methode, wenn der Oberkörper gleichzeitig mit einem Refluxkissen hochgelagert wird.

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