Die Ursachen von Reflux und Sodbrennen

Refluxösophagitis oder auch gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD) ist eine der am häufigsten auftretenden Krankheiten unserer Zeit. Betroffene leiden regelmäßig unter dem Rückfluss von saurem Mageninhalt in die Speiseröhre. Schätzungsweise jeder fünfte Deutsche hat regelmäßig mit Reflux zu kämpfen und beklagt Symptome wie Sodbrennen oder einen entzündeten Rachen. Die Häufigkeit der Refluxkrankheit nimmt mit steigendem Alter zu.

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Der übliche Behandlungsansatz der Schulmedizin ist die Verschreibung von Säureblockern, die die Magensäureproduktion stark hemmen. Grundsätzlich gibt es zwei Arten solcher Medikamente: Protonenpumpenhemmer (PPI) mit Wirkstoffen wie Pantoprazol oder Omeprazol und H2-Antihistaminika, die Famotidin, Ranitidin oder ähnliche Stoffe enthalten. In den meisten Fällen werden die Symptome durch das „Ausschalten“ der Produktion von Magensäure tatsächlich gelindert, da weniger Säure in die Speiseröhre gelangt und die Reizung nachlässt. Jedoch ist diese Art der Behandlung, die lediglich die Symptome unterdrückt, statt die Ursache der Beschwerden zu behandeln, mit gravierenden gesundheitlichen Risiken verbunden. Reflux und Sodbrennen langfristig auf diese Weise zu behandeln, gleicht der Einnahme von Schmerzmitteln bei Zahnschmerzen: Die auftretenden Beschwerden werden zwar gelindert, man ändert jedoch nichts an der Ursache der Symptome.

Aufgrund dieser weit verbreiteten, säurehemmenden Behandlungsmethode gehen viele Betroffene davon aus, dass ein Überschuss an Magensäure für Reflux und Sodbrennen verantwortlich zu machen ist. Diese Annahme ist leider grundlegend falsch, denn bei Menschen, die regelmäßig unter Refluxbeschwerden leiden, liegt in der Regel ein Magensäuremangel vor. Wer an einer langfristigen Heilung interessiert ist, erreicht mit Säureblockern daher oft das Gegenteil, denn der Mangel an Magensäure wird durch die Einnahme immer weiter verschlimmert.

Was ist die Ursache von Reflux und Sodbrennen?

Reflux und Sodbrennen treten auf, wenn der Schließmuskel, der das untere Ende der Speiseröhre vom Magen trennt, nicht richtig funktioniert. Für diese Fehlfunktion gibt es verschiedene Ursachen, die in aller Regel mit einem Magensäuremangel in Verbindung stehen.

Normalerweise öffnet sich der Schließmuskel (Ösophagussphinkter) beim Schlucken, um Essen oder Getränke passieren zu lassen und in den Magen zu befördern, oder beim Aufstoßen und Erbrechen. Unabhängig von der Menge an produzierter Magensäure gelangt in der Regel kein Mageninhalt zurück in die Speiseröhre, solange der Schließmuskel richtig funktioniert. Ist die Funktionsweise hingegen gestört, gerät Magensäure in die Speiseröhre und schädigt ihre empfindliche Schleimhaut. Wie viel Magensäure produziert wird, ist hierbei kaum von Bedeutung, denn auch eine geringe Menge kann bereits ernsthafte Schäden hinterlassen, da die Speiseröhre – im Gegensatz zum Magen – keinen Schutzmechanismus gegen Säure besitzt.

Menschen, bei denen diese Beschwerden regelmäßig auftreten, leiden laut vielen Ärzten und Wissenschaftlern fast immer an einem Magensäuremangel. Einer der bekanntesten Vertreter dieser These ist der amerikanische Arzt Jonathan V. Wright, der sich auf die Behandlung von Sodbrennen und Reflux spezialisiert hat. Bei über 95% der Patienten, die mit chronischen Refluxbeschwerden in seine Klinik kommen, stellt er einen Mangel an Magensäure fest. Vor allem Menschen, die bereits lange unter der Refluxkrankheit leiden und seit Monaten oder gar Jahren Säureblocker einnehmen, die die Produktion von Magensäure hemmen, können dies verständlicherweise kaum glauben, schließlich hat die Pharmaindustrie über Jahrzehnte daran gearbeitet, überschüssige Magensäure zur Ursache von Sodbrennen und Reflux zu erklären. Kaum verwunderlich, denn allein in Europa machen die Pharmaunternehmen mit den Säureblockern über 10 Milliarden Euro Umsatz, obwohl es allgemein bekannt ist, dass übermäßige Magensäureproduktion nicht die Ursache von Sodbrennen und Reflux ist.

Ein einfacher Zusammenhang, der dies veranschaulicht, ist die abnehmende Produktion von Magensäure im Alter. Mit 60 produzieren wir nur noch 20-25% der Menge an Magensäure, die wir im Jugendalter produzieren. Würde Sodbrennen also tatsächlich durch ein zu Viel an Magensäure verursacht, müssten die Symptome besonders häufig bei jungen Menschen auftreten. Wie den meisten von uns bekannt sein dürfte, treten Refluxbeschwerden jedoch besonders häufig mit zunehmendem Alter auf.

Wie führt Magensäuremangel zu Reflux und Sodbrennen?

Magensäuremangel führt zu einer Überbesiedlung von Bakterien in Magen und Darm und zu einer Verlangsamung der Verdauung. Dies bewirkt, dass aufgenommene Nahrung lange im Magen liegt und gärt. Diese Gärung verursacht Gase, die zu einem erhöhten Druck im Verdauungstrakt führen, sodass Magensäure in die Speiseröhre zurückfließt.

Viele Menschen produzieren aufgrund von Stress, falschen Essgewohnheiten und schlechter Ernährung nur unzureichende Mengen an Magensäure. Dieser Mangel führt aus verschiedenen Gründen zu einem erhöhten Druck im Verdauungstrakt und damit zu Reflux und Sodbrennen, wie im folgenden Abschnitt deutlich wird.

Ein Mangel an Magensäure führt zur Verlangsamung der Verdauung

Ein Mangel an Magensäure führt dazu, dass die aufgenommene Nahrung nur sehr langsam zersetzt werden kann. Statt wie gewöhnlich zwei bis drei Stunden verbleibt die Nahrung sehr viel länger im Magen und kann nur schlecht verdaut werden. Dies versucht der Körper auszugleichen, indem er die zerkaute Nahrung besonders gründlich mit der geringen Menge der vorhandenen Magensäure vermischt. Diese ungewöhnlich starke Durchmischung kann dazu führen, dass Teile des Mageninhalts zurück in die Speiseröhre gedrückt werden. Zudem beginnt das Essen durch die lange Verweildauer zu fermentieren und es werden Gase freigesetzt, die den Druck im Verdauungstrakt ansteigen lassen. Diese Fermentationsprozesse werden von Bakterien angetrieben, die Bestandteile der aufgenommenen Nahrung verstoffwechseln und in Gase umwandeln.

Überbesiedlung von Bakterien

Unser Verdauungssystem wird in seinen verschiedenen Abschnitten unterschiedlich stark von Bakterien besiedelt. Während ein gesunder Dickdarm zwischen 1011 und 1012 Bakterien pro Milliliter beheimatet, leben in Magen und Dünndarm verhältnismäßig wenige Bakterien, wie in der Abbildung unten zu sehen ist. In einem gesunden Magen mit ausreichender Magensäureproduktion sorgt die bakterizide Wirkung der Magensäure dafür, dass ein Großteil der Bakterien, die z. B. mit der aufgenommenen Nahrung in den Magen gelangen, abgetötet werden und das bakterienarme Milieu nicht gestört wird.

Produziert der Magen jedoch nicht genügend Magensäure, steigt der pH-Wert und damit die Anzahl der Bakterien, die dort überleben können. Gleichzeitig liegt die Nahrung aufgrund des Magensäuremangels länger als gewöhnlich im Magen und die Bakterien haben viel Zeit, die Nahrung durch Fermentation in Gase umzuwandeln, die den Druck im Magen ansteigen lassen und zu Reflux und Sodbrennen führen.

Die übermäßige Bakterienbesiedlung ist jedoch ein Problem, dass nicht nur den Magen betrifft, sondern auch den anschließenden Dünndarm, wo eine Dünndarmfehlbesiedlung (SIBO) auftreten kann.

Schlechte Verdauung von Kohlenhydraten

Chronischer Magensäuremangel führt in vielen Fällen zu einer Dünndarmfehlbesiedlung (SIBO). Darunter versteht man eine bakterielle Besiedlung des Dünndarms, die über die gewöhnliche Menge an Bakterien in diesem Abschnitt des Verdauungssystems hinausgeht. Auch hier ist in den meisten Fällen die mangelnde Magensäureproduktion verantwortlich, da durch die Nahrung aufgenommene Bakterien nicht abgetötet werden und sich im Dünndarm ansiedeln können.

Zum einen führt die Fehlbesiedlung dazu, dass aufgenommene Nährstoffe nicht richtig absorbiert werden können, was zu einem Mangel an Vitamin B12 und anderen Nährstoffen führt. Zum anderen verstoffwechseln auch hier die Bakterien die Nahrung zu Gasen und anderen Abbauprodukten. Diese Gase können – im Gegensatz zu denen, die im Dickdarm entstehen – nicht als Flatulenzen entweichen und verursachen einen erhöhten Druck im oberen Verdauungstrakt, der häufig Refluxbeschwerden zur Folge hat.

Eine entscheidende Rolle spielen hierbei die Kohlenhydrate, da diese die bevorzugte Nahrung der Bakterien darstellen. Solange der Magen ausreichende Mengen an Magensäure produziert, können Kohlenhydrate – in Maßen konsumiert – im Dünndarm in ihre Bausteine aufgespalten werden. Ist hingegen zu wenig Magensäure vorhanden und/oder werden zu viele Kohlenhydrate konsumiert, können sich einige Kohlenhydrate der Verdauung entziehen und beginnen zu fermentieren. Bereits aus 30 g Kohlenhydrate, die nicht richtig verdaut werden können, entstehen Gase von mehr als zehn Litern. Zur erfolgreichen Behandlung von Reflux und Sodbrennen muss daher – neben zahlreichen anderen Maßnahmen – der Verzehr von Kohlenhydraten reduziert werden.

Erfolgreiche Behandlung von Reflux und Sodbrennen

Die aufgeführten Zusammenhänge, die zur Entstehung von chronischen Refluxbeschwerden führen, lassen sich wie folgt zusammenfassen: Durch Stress, falsche Essgewohnheiten und schlechte Ernährung wird die Produktion von Magensäure gehemmt. Durch diesen Säuremangel kann die aufgenommene Nahrung nur schwer zersetzt werden und der Magen muss ungewöhnlich stark arbeiten, um diese mit der wenig vorhandenen Magensäure zu vermischen. Gleichzeitig steigt aufgrund der fehlenden Magensäure die Menge von Bakterien in Magen und Dünndarm, die die Kohlenhydrate der langsam passierenden Nahrung durch Fermentation verstoffwechseln. Bei diesem Prozess entstehen Gase, die zu einem erhöhten Druck im oberen Verdauungstrakt führen. Diesem kann der Schließmuskel zwischen Magen und Speiseröhre nicht standhalten. Es kommt zum sauren Aufstoßen in Form von Reflux und Sodbrennen.

Langfristig entstehen durch die gestörte Funktion des Verdauungssystems noch weitaus mehr gesundheitliche Probleme, die sich auf den gesamten Körper auswirken; Nährstoffmangel, Candida und Leaky-Gut sind nur einige von ihnen. Eine ganzheitliche Behandlung muss sich daher mit den Auslösern der Krankheit auseinandersetzen, anstatt wie im Fall von Säureblockern Symptome zu unterdrücken und die Ursachen weiter zu verschlimmern. An erster Stelle steht die Umstellung von Essgewohnheiten, die Anpassung der Ernährung und die Reduzierung von Stress. Wer Säureblocker einnimmt, sollte diese langsam absetzen und stattdessen die Magensäureproduktion anregen, zum Beispiel durch die Einnahme von Bitterstoffen. Gleichzeitig empfiehlt es sich, die durch den Magensäuremangel entstandene bakterielle Überbesiedlung zu bekämpfen, Mangelerscheinungen zu behandeln und dem Verdauungssystem durch die Einnahme verschiedener Präparate auf die Sprünge zu helfen.

Die Funktionsweise des Verdauungssystems

Verdauung ist der Prozess des Herunterbrechens von Nahrung durch mechanische und chemische Vorgänge im Verdauungstrakt, bei dem Nährstoffe aus der Nahrung extrahiert, in den Blutfluss aufgenommen und im Körper verteilt werden, wo sie ihre vielen lebensnotwendigen Funktionen erfüllen. Meistens sehen wir unsere Verdauung als selbstverständlich an; nur selten machen wir uns bewusst, was für ein hochkomplexer Prozess bei der täglichen Nahrungsaufnahme in unserem Körper abläuft. Viele verschiedene Säuren, Enzyme, alkalische Stoffen, Hormone und andere Substanzen müssen in genau der richtigen Menge und zum richtigen Zeitpunkt produziert und freigesetzt werden, sodass sie miteinander interagieren können und die Verdauung sich völlig unbemerkt im Hintergrund abspielt. Sobald dieses empfindliche Gleichgewicht gestört wird – zum Beispiel durch einen Mangel an Magensäure – kann dies gravierende gesundheitliche Auswirkungen haben. Häufig äußern sich die Beschwerden in Magenverstimmungen oder Sodbrennen, die eigentlichen Problem können sich jedoch weit über den Magen hinweg erstrecken.

Der Mund

Verdauung beginnt bereits im Mund, wo die aufgenommene Nahrung durch Kauen in kleinere Stücke zerteilt und mit Speichel vermischt wird. Speichel wird ausgeschüttet, sobald Speisen in den Mund gelangen (oder sogar bereits, wenn wir Essen sehen, riechen oder an Essen denken). Er befeuchtet die Nahrung und leitet den Prozess der Aufspaltung von Stärke ein. Der so entstandene Nahrungsbrei kann nun leicht die Speiseröhre passieren.

Die Speiseröhre

Die Speiseröhre beginnt am Kehlkopf und mündet in den oberen Teil des Magens. Die innerste Schicht der Speiseröhre ist eine Schleimhaut, deren Oberfläche mit empfindlichen Epithelzellen bedeckt ist. Diese werden durch Bindegewebe von einer Schicht aus Muskelzellen getrennt. Wenn wir schlucken, wird eine rhythmische Folge von Muskelkontraktionen in Gang gesetzt, die am oberen Ende der Speiseröhre beginnen und in Richtung Magen fortgesetzt werden. Durch diesen Prozess, der Peristaltik genannt wird und sechs bis acht Sekunden dauert, wird die Nahrung in den Magen befördert.

Der untere Ösophagussphinkter (UÖS) ist der Verschlussmechanismus, der zwischen Speiseröhre und Magen liegt. Der UÖS entspannt und öffnet sich, wenn Nahrung das Ende der Speiseröhre erreicht, um diese in den Magen passieren zu lassen. Anschließend verschließt er sich wieder, damit der Mageninhalt nicht zurück in die Speiseröhre gedrückt wird (Reflux).  So wird verhindert, dass das empfindliche Gewebe der Speiseröhre, das nicht wie die Magenwand über eine schützende Schleimschicht verfügt, von den ätzenden Magensäften geschädigt wird. Im Normalzustand, wenn sich wenig oder keine Nahrung im Magen befindet, beträgt der durchschnittliche Druck des UÖS ca. 20 mmHg (Millimeter Quecksilbersäule). Dies bedeutet, dass ein Druck von 20 mmHg benötigt würde, um den UÖS zu öffnen. Ungefähr 1,5 bis 2 Sekunden nach dem Schluckvorgang entspannt sich der UÖS und der Druck wird ca. 6 bis 8 Sekunden lang reduziert. Wenn die Nahrung in den Magen gelangt ist, führen die Muskelkontraktionen des Magens dazu, dass sich der Druck im Magen erhöht. Dies wiederum bewirkt, dass der UÖS sich anspannt, um die Speiseröhre vor Reflux zu schützen.

Der Magen

Der Magen ist ein großes, muskulöses, dehnbares Hohlorgan, das perfekt dafür geeignet ist, die zerkaute und heruntergeschluckte Nahrung, mit hochwirksamen Säuren, Enzymen und anderen Verdauungssäften zu durchmischen. Auf diese Weise entsteht ein flüssiger Speisebrei, der Chymus genannt wird. Der Magen ist an seinem oberen Ende mit der Speiseröhre und an seinem unteren Ende mit dem Zwölffingerdarm (Duodenum) verbunden, welcher die Verbindung zwischen Magen und Dünndarm darstellt.

Die vier wichtigsten Funktionen des Magens:

  1. Nahrungsaufbewahrung: Der Magen dient als kurzfristiger Lagerraum für verspeiste Nahrung. So können wir in relativ kurzer Zeit eine erhebliche Menge Nahrung zu uns zu nehmen und sie zu einem späteren Zeitpunkt zu verarbeiten.
  2. Nahrungsverarbeitung: Der Magen verflüssigt und zermahlt die Nahrung und vermischt sie mit verschiedenen Verdauungssäften.
  3. Nährstoffaufnahme und Verdauung: Im Magen beginnt die Verdauung und Spaltung von Proteinen und verschiedenen anderen Vitaminen und Mineralien.
  4. Nahrungstransfer: Wenn der Mageninhalt die richtige Konsistenz erreicht hat, beginnt der Magen, den Chymus durch den Zwölffingerdarm in den Dünndarm zu schleusen, wo der Hauptteil der Verdauung und Nährstoffaufnahme stattfindet.

Die 6 Zellarten der Magenschleimhaut und ihre Funktionen

Die Magenschleimhaut besteht aus sechs verschiedenen Zellarten, die jeweils eine oder mehrere wichtige Substanzen absondern:

Die Belegzellen (auch Parietalzellen) produzieren Salzsäure, den wichtigsten Bestandteil der Magensäure. Salzsäure sorgt dafür, dass der pH-Wert im Magen auf einen Wert sinkt, der ideal für die Verdauung und Nährstoffaufnahme ist. Die Produktion von Salzsäure in den Belegzellen erfolgt mithilfe von Protonen-Kalium-Pumpen, die Protonen im Austausch gegen Kaliumionen aus der Zelle transportieren. Protonenpumpenhemmer, eine Art von Medikamenten, die häufig gegen Reflux und Sodbrennen verschrieben werden, blockieren die Funktion dieser Protonenpumpen und reduzieren so die Salzsäureproduktion um mehr als 90 Prozent. Belegzellen produzieren außerdem den Intrinsischen Faktor, der für die Aufnahme von Vitamin B12 benötigt wird.

Die Hauptzellen produzieren Pepsinogen, das mithilfe der Salzsäure in das proteinverdauende Enzym Pepsin umgewandelt wird.

Die G-Zellen bilden das Hormon Gastrin, das die Säureproduktion in den Belegzellen und die Produktion von Pepsinogen in den Hauptzellen stimuliert. Gastrin löst außerdem die Kontraktion der Magenmuskeln aus und fördert das Wachstum der Magenschleimhaut.

Die Enterochromaffin-ähnlichen Zellen (auch ECL-Zellen) werden durch Gastrin dazu angeregt, Histamin abzusondern.

Die Nebenzellen produzieren Schleim, der den Nahrungsbrei verflüssigt und die Magenschleimhaut vor der ätzenden Magensäure schützt.

D-Zellen bilden Somatostatin. Dieses Hormon reguliert die Nahrungsverarbeitung im Magen, indem die Gastrinausschüttung in den G-Zellen, die Histaminausschüttung in den ECL-Zellen und die Säureproduktion in den Belegzellen verringert wird, wenn der pH-Wert im Magen sinkt.

Die Produktion von Magensäure

Bisherige wissenschaftliche Erkenntnisse gehen davon aus, dass die Produktion von Magensäure von drei Substanzen reguliert wird: Acetylcholin, Gastrin und Histamin.

Acetylcholin (ACh) ist ein Neurotransmitter, der Informationen innerhalb des Nervensystems und zwischen Nerven- und Muskelzellen vermittelt. Mithilfe von ACh kann das Gehirn bereits beim Anblick und Geruch von Nahrung oder sogar beim Gedanken an diese Signale an den Magen senden und diesen dazu anregen, Magensäure abzusondern.

Gastrin regt die Produktion von Salzsäure auf zwei verschiedenen Wegen an: Zum einen stimuliert es die Belegzellen direkt, sodass diese Säure produzieren, zum anderen regt es die ECL-Zellen zur Produktion von Histamin an.

Histamin wiederum regt die Ausschüttung von Salzsäure aus den Belegzellen an, indem das Hormon an den H2-Rezeptoren der Zellen andockt. H2-Rezeptor-Antagonisten (auch H2-Antihistaminika oder H2-Blocker) wie Ranitidin, Famotidin, Zantac und Tagamet sind Medikamente, die die Stimulation der H2-Rezeptoren durch Histamin hemmen und so die Ausschüttung von Salzsäure in den Magen verringern.

Was passiert, wenn Nahrung in den Magen gelangt?

Wenn wir einen Mund voll Essen hinunterschlucken und dieses durch den unteren Ösophagussphinkter (UÖS) in den Magen gelangt, wird eine gut koordinierte Abfolge von Verdauungsprozessen in Gang gesetzt:

Die Magenwand dehnt sich etwas aus.

Nervenfasern nehme die Ausdehnung der Magenwand wahr und signalisieren den G-Zellen, Gastrin auszuschütten.

Durch das Gastrin werden die Belegzellen dazu angeregt, mehr Salzsäure zu produzieren. Außerdem regt Gastrin die ECL-Zellen an, Histamin auszuschütten, welches einen zusätzlichen verstärkenden Einfluss auf die Ausschüttung von Salzsäure durch die Belegzellen hat.

Die Belegzellen sondern außerdem den Intrinsischen Faktor ab, der zur Resorption von Vitamin B12 notwendig ist.

Gastrin löst die Freisetzung von Pesinogen aus den Hauptzellen der Magenschleimhaut aus.

Ist genügend Salzsäure vorhanden, sodass der pH-Wert des Magens nicht höher als 4 ist, wird Pepsinogen in Pepsin umgewandelt. Dieses Verdauungsenzym ist hauptsächlich dafür zuständig, Proteine im Magen in Aminosäuren zu zerlegen. Ein Mangel an Magensäure führt dazu, dass der pH-Wert im Magen zu hoch ist, sodass Pepsinogen deaktiviert wird und kein Pepsin entstehen kann.

Währenddessen signalisiert Gastrin den Magenmuskeln aktiv zu werden. Durch wellenartige Kontraktionen der Muskulatur wird die Nahrung im Magen zermahlen, mit Verdauungssäften vermischt und in Richtung Zwölffingerdarm weitergedrückt. Wenn der Nahrung genügend mit Magensäure angereichert wurde, kann die Aufspaltung und Verarbeitung von Proteinen, Vitaminen und anderen Nährstoffen optimal fortgeführt werden.

Wenn der Chymus den unteren Bereich des Magens erreicht, beginnt der pH-Wert anzusteigen. Dieser Prozess wird auf zwei Wegen in Gang gesetzt: Erstens regt die Magensäure die D-Zellen an, das Hormon Somatostatin abzusondern. Dieses sorgt dafür, dass die Produktion von Gastrin in den G-Zellen reduziert wird. Weniger Gastrin, bedeutet weniger Histamin und eine geringere Produktion von Salzsäure in den Belegzellen. Zweitens löst der saure Chymus, wenn er in Kontakt mit der Wand des Zwölffingerdarms kommt, die Ausschüttung des Hormons Sekretin aus.

Sekretin veranlasst die Bauchspeicheldrüse, eine Reihe von Verdauungsenzymen sowie Ionen und Bikarbonat in den Zwölffingerdarm freizusetzen. Bikarbonat neutralisiert die Magensäure, sodass der pH-Wert ansteigt.

Zeitglich mit Sekretin wird im Dünndarm Cholecystokinin (CCK) freigesetzt. Dieses Hormon wandert zur Gallenblase und regt diese an, Gallensaft in den Dünndarm abzusondern, der eine wichtige Rolle bei der Verdauung von Fetten spielt.

5 wichtige Erkenntnisse über Magensäure und das Verdauungssystem

Die oben erläuterten Mechanismen stellen eine stark vereinfachte Beschreibung eines sehr komplexen Prozesses dar. Sie dient dazu, fünf wichtige Punkte über Magensäure und das Verdauungssystem zu verdeutlichen:

  1. Die wesentlichen Verdauungsfunktionen können nur innerhalb eines bestimmten, sehr engen pH-Wertebereichs ablaufen. Dieser Bereich variiert zwischen den unterschiedlichen Phasen der Verdauung.
  2. Das Blockieren der Magensäureproduktion oder die Neutralisierung von Magensäure unterbrechen den normalen Verdauungsprozess an einem entscheidenden Punkt, indem der „Säure-Auslöser“, der alle weiteren Verdauungsvorgänge auslöst, ausgeschaltet wird. Weniger Magensäure bedeutet weniger Pepsinogen, weniger Pepsin, weniger Sekretin, weniger Cholecystokinin, weniger Bauchspeicheldrüsenenzyme, weniger Gallensaft.
  3. Ist weniger Magensäure vorhanden, kann diese die G-Zellen nicht mithilfe von Somatostatin dazu anregen, die Produktion von Gastrin zu reduzieren. Ein zu hohes Grastrin-Niveau kann Magenkrebs verursachen.
  4. Da die Resorption vieler Vitamine, Mineralien, Proteine und Aminosäuren nur innerhalb eines bestimmten pH-Wertebereichs stattfinden kann, führt eine Störung des Gleichgewichts im Magen-Darm-Trakt durch die Reduzierung des Säureniveaus (Erhöhung des pH-Werts) dazu, dass viele dieser wichtigen Nährstoffe nicht richtig verarbeitet und vom Körper aufgenommen werden können.
  5. Dies bedeutet, dass wir trotz einer gesunden Ernährung unwissentlich „hungern“ – d. h. nicht genügend Nährstoffe erhalten – wenn unser Körper nicht über ausreichend Magensäure verfügt. Daher ist es nicht verwunderlich, dass viele Menschen, die magensäurehemmende Medikamente einnehmen, Mangelerscheinungen aufweisen.

Die Funktion von Magensäure

Die Gesundheit des Verdauungssystems und somit des gesamten menschlichen Körpers hängt zu großen Teilen von Verdauungsprozessen ab, die im Magen stattfinden. Insbesondere der Magensäure (Salzsäure) kommt hierbei eine wesentliche Rolle zu.

Die Bestandteile von Magensäure

Verdauung beginnt bereits mit dem Anblick, dem Geruch oder sogar dem Gedanken an Nahrung. Sobald das Gehirn eine Mahlzeit antizipiert, sendet es über den Vagusnerv ein Signal an den Magen. Hier wird eine Reihe von Prozessen in Gang gesetzt, die schließlich zur Sekretion von Magensaft führen. Der menschliche Körper produziert so täglich ca. zwei bis drei Liter Magensaft, wobei diese Menge im Alter stark abnimmt. Außer Salzsäure beinhaltet diese Flüssigkeit zahlreiche weitere Komponenten, unter anderem Kaliumchlorid, Natriumchlorid, Wasser, Verdauungsenzyme, Schleimstoffe (Muzine), Bikarbonat und den Intrinsischen Faktor, ein Transportmolekül, das für die Aufnahme von Vitamin B12 im Dünndarm notwendig ist.

Magensäure ist wichtig für die Verdauung und die Nährstoffaufnahme

Magensäure sorgt für einen niedrigen pH-Wert im Magen, durch den die Struktur der Proteine, die durch die Nahrung in den Magen gelangen, so weit heruntergebrochen wird, dass die Aminosäureketten anschließend durch das Verdauungsenzym Pepsin vollständig zersetzt werden können. Ohne Magensäure kann Pepsin seine Funktion nicht erfüllen, da die Aktivierung von Pepsin aus der inaktiven Vorstufe Pepsinogen durch Magensäure erfolgt.

Auch für die Stimulierung anschließender Verdauungsprozesse im Dünndarm ist Magensäure wichtig. So löst sie die Produktion von Galle in der Leber und die Absonderung von Verdauungsenzymen in der Bauchspeicheldrüse aus, die für die weitere Verdauung der Nahrung im Zwölffingerdarm maßgeblich sind. Ein Mangel an Magensäure kann daher dazu führen, dass der Körper wichtige Nährstoffe wie Zink, Kalzium, Magnesium und Eisen sowie Vitamin C, B9, B12, A und E nicht ausreichend aufnehmen kann.

Magensäure schützt vor Krankheiten

Eine weitere Funktion von Magensäure ist der Schutz vor Erregern, denn die meisten schädlichen Bakterien und Parasiten, die mit der Nahrung in den Magen gelangen, können im sauren Milieu des Magens nicht überleben. Magensäure ist so aggressiv, dass sie den Magen selbst zersetzen würde, wäre dieser nicht von innen mit der schützenden Magenschleimhaut ausgekleidet.

Magensäure steuert den Transport der Nahrung

Magensäure dient auch als Auslöser für die an den Magen angrenzenden Schließmuskeln. Steigt die Menge an Magensäure an, schließt sich der Schließmuskel der Speiseröhre, der direkt über dem Magen sitzt und das empfindliche Gewebe der Speiseröhre vor der Magensäure schützt. Die Funktion des sogenannten Magenpförtners, des Schließmuskels, der zwischen Magen und Zwölffingerdarm sitzt, hängt ebenfalls von einer ausreichenden Magensäureproduktion ab, denn der Muskel öffnet sich erst, sobald die Nahrung ausreichend verkleinert wurde. Bei einem Magensäuremangel bleibt die aufgenommene Nahrung viel zu lange im Magen, da sich der Schließmuskel zwischen Magen und Dünndarm nicht öffnet.

Angesichts all dieser Funktionen von Magensäure wird deutlich, dass eine zu geringe Produktion von Magensäure mit ernst zu nehmenden gesundheitlichen Risiken einhergeht.

10 Anzeichen für einen Magensäuremangel

Ein zu geringer Magensäurespiegel kann eine Reihe von unangenehmen Symptomen zur Folge haben. Dies sind die häufigsten Anzeichen für einen Magensäuremangel:

1. Reflux

Sodbrennen und Reflux sind typische Anzeichen für einen Magensäuremangel. Ein Mangel an Magensäure führt zu einem erhöhten Druck im Bauchraum und damit zur Entstehung von Reflux oder Sodbrennen.

2. Blähungen, Aufstoßen und Magenkrämpfe

Ein geringer Magensäurespiegel beeinträchtigt die Motilität des Verdauungstraktes und die Aktivität der Schließmuskeln. Dies führt dazu, dass die aufgenommene Nahrung zu lange im Magen liegt, statt in den Dünndarm weitertransportiert zu werden. Die Nahrung wird im Magen von Bakterien, die hier aufgrund des Mangels an Magensäure überleben und sich vermehren können, verstoffwechselt. Das bei diesem Fermentationsprozess freigesetzte Gas verursacht Blähungen, Aufstoßen und Magenkrämpfe. Typischerweise treten diese Symptome innerhalb einer Stunde nach der Mahlzeit auf.

3. Probleme bei der Verdauung von Proteinen

Wenn der Verzehr von Fleisch und anderen proteinreichen Lebensmitteln Unbehagen, Übelkeit oder Trägheit verursacht, kann dies auf eine zu geringe Menge von Magensäure hindeuten. Insbesondere für die Verdauung von rotem Fleisch benötigt der Körper eine große Menge von Magensäure.

4. Andauerndes Hungergefühl

Ein unvollständig ablaufender Verdauungsprozess kann ein anhaltendes Hungergefühl zur Folge haben. Wenn die aufgenommene Nahrung lange Zeit im Magen liegt und nicht vollständig verdaut wird, kann der Körper wichtige Nährstoffe nicht aufnehmen. Dies kann dazu führen, dass Völlegefühl und Hunger gleichzeitig auftreten.

5. Mundgeruch

Auch schlechter Atem kann ein Anzeichen für Magensäuremangel sein, da wenig Magensäure die Vermehrung von Bakterien im Magen begünstigt. Wenn die Gase, die durch die im Magen ablaufende Fermentation der Nahrung durch Bakterien erzeugt werden, durch den Mund austreten, hat dies Mundgeruch zur Folge.

6. Unverdautes Essen im Stuhl

Finden sich im Stuhlgang unverdaute Lebensmittel wieder, ist dies ein offenkundiges Zeichen dafür, dass der Verdauungsprozess nicht vollständig abgelaufen ist und die aufgenommene Nahrung nicht vollständig verdaut wurde.

7. Müdigkeit nach dem Essen

Hat der Magen zu wenig Magensäure zur Verfügung, kostet der Verdauungsprozess den Körper mehr Energie. Müdigkeit und Trägheit nach einer Mahlzeit sind die Folge.

8. Häufig auftretende Übelkeit

Geht der Verdauungsprozess aufgrund von mangelnder Magensäure nur langsam vonstatten, ist der Magen schnell voll und die Nahrung bleibt lange Zeit unverdaut liegen. Dies kann ein Übelkeitsgefühl hervorrufen.

9. Anfälligkeit für Lebensmittelvergiftungen

Eine Aufgabe der Magensäure ist es, die Nahrung im Magen zu sterilisieren. Je weniger Magensäure der Körper produziert, desto anfälliger ist er für Lebensmittelvergiftungen.

10. Brüchige Fingernägel

Auch dünne, spröde und brüchige Fingernägel weisen auf einen Nährstoffmangel hin, welcher auf Verdauungsprobleme aufgrund von zu wenig Magensäure zurückzuführen sein kann. Insbesondere ein Mangel an Proteinen, Mineralien und essenziellen Fettsäuren kann die Ursache brüchiger Fingernägel sein.

Es gibt viele weitere Anzeichen, die auf einen zu geringen Magensäurespiegel hinweisen können. Afterjucken, Pilzinfektionen, parasitäre Infektionen des Verdauungstrakts, ausdünnendes Haar sowie Akne, Hautausschlag und Ekzeme können auf dieses Krankheitsbild hinweisen.

Nächtlicher Reflux

Die flache Lagerung des Oberkörpers in der Nacht begünstigt den Rückfluss von Magensäure und führt dazu, dass Refluxbeschwerden vermehrt nachts auftreten. Betroffene leiden unter Symptomen wie Heiserkeit, Räusperzwang, Verschleimungsgefühl und Schluckstörungen.
Da die Beschwerden häufig ohne Sodbrennen auftreten, wissen viele nicht, woher die Symptome kommen. Ein schnelles Entgegenwirken ist jedoch unerlässlich, denn nächtliche Refluxbeschwerden können langfristig zu chronischen entzündlichen Veränderungen der Rachenschleimhaut oder gar zu Speiseröhrenkrebs führen.

Was tun gegen nächtlichen Reflux?

Neben einer ganzheitlichen Behandlung der Refluxkrankheit ist bei nächtlichen Refluxsymptomen die Hochlagerung des Oberkörpers besonders wichtig. Die Nutzung eines zweiten Kopfkissens zu diesem Zweck ist nicht ausreichend, da der gesamte Oberkörper höherliegen muss, um den Rückfluss der Magensäure effektiv zu verhindern. Es empfiehlt sich daher, ein spezielles Refluxkissen zu verwenden, das zum einen die Höherlagerung des Oberkörpers ermöglicht und zum anderen Kopf und Nacken stützt. Weitere Tipps, die dabei helfen, Refluxsymptome während der Nacht zu reduzieren, finden Sie unter Reflux-Behandlung.

Quellen:

Widmaier EP, Raff H, Strang KT. Vander’s Human Physiology: the Mechanisms of Body Function. Boston: McGraw-Hill; 2006.

Overview of Acid Secretion. Merck Manuals Professional Edition. https://www.merckmanuals.com/professional/gastrointestinal-disorders/gastritis-and-peptic-ulcer-disease/overview-of-acid-secretion. Accessed June 27, 2016.